Apoxyomenos-Museum

Die Geschichte über die schöne altgriechische Bronzestatue, die 1996 am Meeresboden vor der Inselgruppe von Lošinj entdeckt wurde, könnte den Titel “Auf der Suche nach Apoxyomenos” tragen, und zwar nicht nur, weil es sich um eine Geschichte über die Entdeckung der Statue im Meer, über den langen Restaurierungsprozess und über die Tour durch viele Städte handelt, sondern auch weil es eine treffende Beschreibung für das einzigartige Apoxyomenos-Museum in Mali Lošinj ist.

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Das Apoxyomenos-Museum

Das Apoxyomenos-Museum in Mali Lošinj wurde genau zwanzig Jahre nach der Entdeckung der Apoxyomenos-Statue im Meer eröffnet. Die Eröffnung des Museums ist auf großes Interesse in der Öffentlichkeit, von Besuchern und Kunstliebhabern gestoßen. Die wertvolle griechische Statue aus dem 2. oder 1. Jahrhundert vor Christi ist eine wahre Sensation – nicht nur als weil es ein so gut erhaltener archäologischer Fund, sondern auch ein faszinierendes Kunstwerk ist.

Apoxyomenos war in der griechischen Kunst der Antike ein häufiges Motiv. Es feiert die Schönheit des menschlichen Körpers, den Sport und die Kraft und stellt einen Moment dar, in dem sich ein junger Athlet den Staub und Schweiß nach einem Sportwettkampf abstreift. Die Gelassenheit des Augenblicks nach dem Wettkampf und der beinah meditative Zustand des Athleten ruft beim Betrachter ein kontemplatives und erhabenes Gefühl hervor. Von insgesamt acht erhaltenen antiken Apoxyomenos-Statuen ist die von Lošinj am besten erhalten.

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Das Apoxyomenos-Museum (Foto: Bosnić + Dorotić)

Das Geheimnis des Apoxyomenos

Als der belgische Taucher und Photograph René Wouters im Jahr 1996 einen seiner Tauchgänge begann, konnte er nicht ahnen, dass er eine wertvolle, mehrere Jahrtausende alte Statue finden würde. In einer Tiefe von 45 Metern in der Nähe der kleinen Insel Vele Orjule entdeckte er eine archäologische Attraktion von Weltklasse. Unterwasserarchäologen brachten die Apoxyomenos-Statue erst am 27. April 1999 an die Oberfläche, wonach sie ein Jahr lang entsalzen wurde. Die sechsjährige sorgfältige Restaurierung unter der Leitung italienischer und kroatischer Experten begann mit einer Röntgenaufnahme jedes einzelnen Teils der Statue, die bis auf einen kleinen Finger komplett erhalten war. Nach der Restaurierung, die mehrere Jahre lang dauerte, viel Mühe kostete und die fast ausschließliche Verwendung von Handwerkzeugen verlangte, konnte die mit einer Innenkonstruktion verstärkte Statue im Jahr 2006 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Liebhabern der Kultur und der Schönheit wurde Apoxyomenos zuerst im Archäologischen Museum in Zagreb und dann in mehreren Städten der Welt vorgestellt.

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Das Apoxyomenos-Museum (Foto: Bosnić + Dorotić)

Antiquität im Meer – aber ohne Schiffbruch

Archäologische Fundorte auf dem Meeresboden stammen meistens von Schiffswracks, deren Ladung uns über das Alltagsleben unserer Vorfahren Auskunft gibt. Seestürme, Seeschlachten und Defekte an Bord waren die häufigsten Gründe für Schiffbrüche. Die Apoxyomenos-Statue wurde jedoch allein gefunden. Es gab keine Spur von einem Schiff oder irgendeiner anderen Fracht, die das Schiff transportieren konnte. Warum endete Apoxyomenos im Meer? Experten nehmen an, dass die Schiffsbesatzung infolge eines starken Gewitters gezwungen war, das Schiff von der Fracht zu befreien. Oder wurde die Statue als Opfergabe für Götter ins Meer geworfen?

Im Innern der Statue wurden ein Nest eines kleinen Nagetiers, Samen und Zweige gefunden, die darauf schließen lassen, dass der Apoxyomenos zur Zeit seines Transports bereits alt gewesen sein muss. Die Statue musste irgendwo lange genug aufgestellt gewesen sein, um als Behausung für Lebewesen zu dienen. Wir wissen nicht, wie alt sie zu Beginn der Schiffsreise war, die letztendlich zu einer Jahrtausende langen Odyssee wurde und die ihren glücklichen Ausgang im Museum von Mali Lošinj fand. Wohin segelte das Schiff, warum endete die Statue im Meer – das werden wir wahrscheinlich nie in Erfahrung bringen.

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Das Apoxyomenos-Museum (Foto: Bosnić + Dorotić)

Das Apoxyomenos-Museum – die Geschichte über die Entdeckung der Statue, ihre Schönheit und das Meer

Das Apoxyomenos-Museum ist nur einem einzigen Exponat gewidmet. Das macht es auch so einzigartig. Die Experten waren sich über die zukünftige Heimat des Apoxyomenos nicht einig. Manche behaupteten, dass sein Platz in der Sammlung eines der bestehenden Museen in Kroatien sein sollte. Allerdings setzte sich die Auffassung durch, dass der Apoxyomenos sein eigenes Museum auf der Insel Lošinj verdiene.

Nach mehreren Jahren Planungs- und Bauarbeiten ist ein architektonisches Meisterwerk entstanden. Das Museum befindet sich im herrlichen Palast Kvarner am Ufer von Mali Lošinj. Die Architekten erhielten nur die Vorderseite des Palastes. Das eigentliche Museumsgebäude ist eigentlich ein Bauwerk innerhalb des Gebäudes. Seine Metallkonstruktion mit neun Räumlichkeiten wurde aus Metallröhren und Platten gefertigt und mit Blechplatten verkleidet, die von Schiffsbauern aus Lošinj nach Maß geschweißt wurden. Die Schweißstellen und das weiße Metall erinnern an ein Schiff und verbinden dadurch die Geschichte der Seefahrt von Lošinj mit der Schiffsreise des Apoxyomenos, die aus unbekannten Gründen mit seinem Versenken ins Meer endete, wo die Statue mehrere Jahrtausende liegen blieb.

Der Museumsbesuch beginnt in einem blauen Zimmer, dessen tiefblaue Farbe an das Meer erinnert, wo der Apoxyomenos mehrere Jahrtausende vor seiner Wiederentdeckung verbrachte. Nach einer Fahrt in einem dramatisch engen Aufzug in das zweite Stockwerk gelangt der Besucher in ein schwarzes Zimmer mit Bildschirmen, die über die Geschichte des Apoxyomenos, seinen künstlerischen Wert und seine Entdeckung Auskunft geben.

Danach gelangt man in ein beeindruckendes Zimmer, in dem ein Teppich- Unikat mit Motiven vom Meer, Meerespflanzen, Weizen und Feldern verlegt ist. Diese Motive wurden von dem Umstand inspiriert, dass im Podest der Statue das Nest eines kleinen Nagetiers sowie Zweige und Samen gefunden wurden. Der in Handarbeit hergestellte, reliefartig gewobene Teppich schafft mit seinen lebhaften Farben eine perfekte Atmosphäre, um sich etwas Zeit zu nehmen und einen interessanten Dokumentarfilm über den Apoxyomenos anzuschauen.

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Das Apoxyomenos-Museum (Foto: Bosnić + Dorotić)

Das gelbe Zimmer ist mit Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten über die Statue und das Museum des Apoxyomenos übersäht. Von dort aus führt ein beeindruckender, mit Olivenholzplatten verkleideter Durchgang weiter durch das Gebäude. Die Holztextur an den Wänden ruft Assoziationen zu Apoxyomenos mediterrane Heimat mit ihrem Meer und ihren Feldern, Olivenhainen und Schiffen hervor.

Das wichtigste Zimmer ist ganz in Weiß getaucht und dient als Stätte der Begegnung mit dem Apoxyomenos. Diffuses Licht und vollkommen weiße Farbe ermöglichen eine intensive und kontemplative Begegnung mit dieser großartigen antiken Statue.

Der Besuch endet in einem Zimmer, dessen Spiegeldecke den Hafen und die Stadt Mali Lošinj wiederspiegelt.

Dieses Museum rundet das Image von Lošinj als ein Ort von raffinierter Eleganz, Vitalität und zeitloser Schönheit ab, der auch für Aktivurlaube ideal ist. Ein Besuch lohnt sich!

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Das Apoxyomenos-Museum (Foto: Bosnić + Dorotić)

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