Beginn des Fremdenverkehrs auf der Insel Lošinj

Nachdem festgestellt wurde, dass das Klima auf der Insel Lošinj gesundheitsfördernde Eigenschaften hat, machten angesehene europäische Gastwirte den Weg zur Entwicklung des Fremdenverkehrs von Lošinj frei. Namhafte Privatunternehmer aber auch staatliche Institutionen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erkannten Lošinj als wertvolle Destination mit großem Entwicklungspotential an. Sie investierten Kapital und Know-how und luden renommierte Architekten und Designer auf die Insel ein, die damals mehrere Reisestunden vom nächsten Festland entfernt war (in dieser Zeit gab es noch keine Autos, Flughäfen und Schnellstraßen). Durch gemeinsame Anstrengungen entstand auf diese Weise eine Atmosphäre und ein Lifestyle, die sonst eher von namhaften Termen und berühmten Fremdenverkehrsorten jener Zeit bekannt waren.

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Baron Gautsch war ein Passagierschiff, das zwischen Triest und Kotor verkehrte. Lošinj war der letzte Hafen, von dem es auslief, bevor es auf der Fahrt nach Triest am 13. August 1913 tragisch sank.

Eine Entscheidung für den Fremdenverkehr ist immer auch eine Entscheidung, diemit Innovation verbunden ist. In den alten Pensionen von Lošinj ging man immer einen Schritt weiter, um Gästen erstklassigen Komfort zu bieten. So wurde um die Wende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, als es noch kein Wasserversorgungssystem gab, alles unternommen, um fließendes Wasser und Meerwasser für Heilbäder nutzbar zu machen. Darüber hinaus boten schön gestaltete Gärten windgeschützte Bereiche zum Sonnenbaden.

Mit Freude waren unserer Ururgroßmütter bereit, in ihren geräumigen Kapitänshäusern mit ihren wunderschönen mediterranen Gärten Pensionen für Gäste zu eröffnen. Die Gäste waren damals Mitglieder der Aristokratie, private Unternehmer und die gesellschaftliche Elite Europas, die sich nach einer Erholung für Geist und Körper in einem wohltuenden Inselklima mit nachweislicher Heilwirkung sehnten. Der Besuch der Kaiserin Sisi mit ihrem Ehemann Kaiser Franz Josef regte viele weitere namhafte Personen dieser Zeit dazu an, nach Lošinj zu kommen und das örtliche Klima und das rege Gesellschaftsleben zu genießen. Unter anderen besuchte auch Georg van Trapp mit seiner Familie die Insel Lošinj. Ihr Leben inspirierte den berühmten Musical „Meine Lieder – Meine Träume“.

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Modernst ausgestattete Küche der Pension Bellevue.

Für einen möglichst angenehmen und unvergesslichen Aufenthalt bemühte man sich, Personal zu finden, das mehrere Sprachen sprach, sowie Köche, die mit wienerischer, ungarischer, italienischer und französischer Küche vertraut waren. Die gesamte Entwicklung des Fremdenverkehrs wurde immer mit neuen Technologien begleitet (kurz nachdem das Automobil auf den Markt kam, wurden Dampfschiffpassagiere auf der Insel mit Automobilen befördert). Erstklassige Musiker und Unterhalter sowie gut gepflegte Außenanlagen gehörten wie selbstverständlich zum Angebot.

Diese Entwicklung schuf die Grundlagen für das Leben, den Fremdenverkehr und die Kultur und ermöglichte den Menschen vor Ort, sich der Weiterentwicklung ihrer Destination zu widmen und immer neue Wege zu suchen, um als Urlaubsziel stets zu den Spitzenreitern zu gehören. Anfang des 20. Jahrhunderts verfügte Lošinj über mehr als hundert Gaststätten. Im Jahr 1913 wurden auf der Insel Sage und Schreibe 250.000 Übernachtungen registriert!

Es ist interessant, dass in der Zeit der raschen Entwicklung des Fremdenverkehrs nur das Hotel Alhambra ursprünglich als Hotel gebaut wurde. Diese Funktion konnte es bis heute erhalten. Dieses harmonische Gebäude wurde vom namhaften Wiener Architekten Alfred Keller erbaut. Besonders wurde beim Bau darauf Wert gelegt, dass sich sämtliche Hoteldetails, die Umgebung und der gepflegte Strand mit den Arkaden, die zugleich als Schutz und Umkleidekabinen dienten, harmonisch in die umliegende Landschaft eingliederten. Das Ergebnis ist ein durchdachtes, schönes Bild, das optisch perfekt zum umliegenden Kiefernwald passt. Andere Hotels und Pensionen wurden in bestehenden Gebäuden eröffnet und später in Wohn- oder Geschäftsgebäude umgewandelt. Einige davon wurden im Zweiten Weltkrieg leider durch Bomben zerstört.

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Spazierweg in der Čikat Bucht vor der heutigen Villa Hortensia.

Die heutige Villa Hortensia war ursprünglich als Hotel gebaut worden und erhielt später den Namen Bellevue. Ihre vorteilhafte Lage zog zahlreiche Gäste an, für die es keinen Platz mehr im kleinen Hotel gab. Deshalb wurde Mitte des 20. Jahrhunderts in ihrer Nähe das heutige Hotel Bellevue gebaut, das nach der Renovierung 2014 als das schönste und luxuriöseste Hotel auf der Insel gilt. Die gut geschützte Bucht Čikat mit ihrem türkisblauen Meer, dem dichten Kiefernwald und einem offenen Meerblick lockte damals nicht nur die Aristokratie an – auch der moderne Gast von heute, der auf Qualität, Schönheit und Harmonie der Architektur und der Natur Wert legt, fühlt sich magisch angezogen.

Spazieren Sie durch die Straßen von Lošinj, werfen Sie einen Blick auf die wunderschönen Häuser, von welchen viele in der Vergangenheit als hochwertige Pensionen dienten, und stellen Sie sich die Zeit der La Belle Époque mit ihren Konzerten und Festen und die Freude erholter und geheilter Gäste auf Lošinj vor. Die Wurzeln einer freudigen Gegenwart liegen stets in einer glücklichen, guten Vergangenheit.

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