Nach 77 Jahren wieder auf der Insel Lošinj

Barbara Bandler Steinmetz ist die Tochter des zweiten Eigentümers vom „alten“ Hotel Alhambra. Sie war das letzte Mal im Alter von drei Jahren auf der Insel Lošinj und jetzt, 77 Jahre später, ist sie wieder da. Die jüdische Familie musste die Insel 1939 verlassen. Wir trafen die sympathische Barbara zum Interview.

Barbara Bandler Steinmetz im Garten vom Hotel Alhambra

Barbara Bandler Steinmetz im Garten vom Boutique Hotel Alhambra & Villa Augusta

Können Sie uns etwas über sich und Ihre Eltern erzählen?

Meine Eltern sind aus Budapest und ich bin auch in Budapest geboren, aber meine ersten drei Lebensjahre, habe ich auf Lošinj verbracht. Mein Vater, Alexander Samuel Bandler, ist wahrscheinlich gegen 1924 oder 5 nach Lošinj gekommen, weil die ersten Bilder sind um diese Zeit herum entstanden. Er war ein kluger, gebildeter, junger Mann, der einfach eine tolle Gelegenheit in Lošinj gefunden hat.
Während eines Besuchs, November 1928 in Budapest, traf er auf den Stufen eines Krankenhauses meine Mutter und hat sich unsterblich in sie verliebt. Sie haben dann im Februar 1929 geheiratet und zogen April 1929 auf Lošinj, um das Hotel Alhambra zu öffnen. Mein Vater liebte, liebte, liebte diesen Ort.

Erinnern Sie sich an diese Zeit?

Ich war sehr jung damals und das Einzige an was ich mich erinnere, sind die schief geneigten Bäume. Ich erinnere mich an die Erzählungen meiner Eltern und ich habe viele Bilder aus dieser Zeit, offensichtlich war ich hier! Ich erinnere mich an viele Geschichten über diesen Ort, Geschichten die mit großer Sehnsucht, große Liebe und Traurigkeit verbunden sind.

Barbara Bandler Steinmetz mit ihren Töchtern Julie Steinmetz Shaffer und Monica Steinmetz Sageman vor dem Boutique Hotel Alhambra, Mali Losinj

Barbara Bandler Steinmetz mit ihren Töchtern Julie Steinmetz Shaffer und Monica Steinmetz Sageman

Wann mussten sie Lošinj verlassen?

In November 1938 kam der Beschluss, dass Juden deportiert werden. Der Beschluss gilt für Juden, die nach 1919 nach Italien kamen und dort wohnhaft waren, aber nicht in Italien geboren wurden. Meine Eltern bereiteten alles vor und verließen ihr geliebtes Lošinj im März 1939, um herauszufinden was sie als nächstes erwartet.

Wir sind für eine kurze Zeit nach Ungarn, um uns von unsern Verwandten zu verabschieden. Meinem Vater gefiel es überhaupt nicht, was in Europa vor sich ging und er wollte unbedingt den Kontinent verlassen. Das war seine Vision.

Von Ungarn sind wir nach Nizza und blieben dort bis 1940. Nizza haben wir dann Mitten in der Nacht verlassen, durchquerten Spanien, bis wir dann in Lissabon, Portugal ankamen. Meine Eltern haben dann von der Einladung der Dominikanischen Republik gehört. Einzig dieses Land war bereit geflüchteten Juden Zuflucht zu bieten, aber es wurden nur Personen in Betracht gezogen, die landwirtschaftliche Erfahrung hatten. Mein Vater schaffte es irgendwie zum Interview und bestand den Test. Unsere Familie kam am 29. Juni 1941 in Puerto Plata, Dominikanische Republik an und blieb bis 1942 in der Kolonie von Sosua.

Meine Schwester Ann und ich wurden im September 1942 an der Schule El Colegio de Immaculate Concepcion in La Vega eingeschult … ich war 5 Jahre alt und meine Schwester 9. Unsere Eltern haben uns den Nonnen in einem katholischen Internat übergeben und sind wieder zurück, um die Pension in Jarabacoa zu fűhren. Jarabocao war eine Stadt, die Erholung und Genesung für die Flüchtlinge aus Sosua bat.

bandler

Alexander Samuel Bandler mit Tochtern Ann und Barbara – glückliche Kindheit auf Lošinj vor dem Zweiten Weltkrieg.

Wie sind Sie dann in die USA gekommen?

Meine Mutter war Chemikerin und sie wollte Kosmetik produzieren. Da sie ein paar Werkzeuge gebraucht hätte, hat sie in amerikanischen Zeitungen Anzeigen geschalten. Eines Tages wickelte eine Frau in Boston Pakete mit der Zeitung ein und der Name Bandler fiel ihr auf. Sie sagte: „Oh, ich glaube, ich ging zur Schule mit einem Bandler und eine Freundin ist mit einem Bandler verheiratet!“ Sie war selbst Einwanderer in den USA und so schrieb sie meinen Eltern, half ihnen und wir bekamen 1945 ein Visum für die Vereinigten Staaten.

Heute leben Sie in Denver, Colorado und sprechen zu Studenten/Schülern und erzählen Ihnen Ihre Geschichte?

Ja, ich bin fast 80 Jahre alt, Gott sei Dank bei guter Gesundheit und ich denke, es ist meine Aufgabe meine Geschichte mit den jungen Menschen zu teilen, aber nicht, weil es meine Geschichte ist. Ich hoffe, dass die Geschichte sie verändert und dass sie ein klares Verständnis davon bekommen, wie das Weltgeschehen das Leben der Menschen durchrüttelt und wie wichtig es ist, dass wir für einander da sind. Egal, wer die Menschen sind und woher sie kommen. Wir sind hier, um einander zu helfen. Das ist meine persönliche Mission!

General Manger vom Boutique Hotel Alhambra & Villa Augusta Robert Betić mit Barbara Bandler Steinmetz

General Manger vom Boutique Hotel Alhambra & Villa Augusta Robert Betić mit Barbara Bandler Steinmetz

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie das Hotel nach so vielen Jahren sehen?

Ich war sehr nervös, hier her zu kommen. Es kommen eine Menge Emotionen hoch, die man schon sehr lange bei Seite gelegt hat. Meine Eltern sind schon so viele Jahre fort, mein Mann ist fort und auch meine Schwester, mit der ich diese Erfahrungen geteilt habe. Jetzt habe ich niemanden von Früher, mit dem ich dies teilen kann.

Was bedeutet Mali Lošinj / Alhambra heute für Sie?

Dies war unser Zuhause, meine Familie lebte hier und ich bin froh, dass es diesen kleinen Ort noch gibt. Es tut mir leid, dass meine ganze Familie nicht hier ist, um es mit mir zu teilen. Ich habe über die Jahre Alhambra sehr oft gegoogelt, aber aufgrund vieler anderer Umstände war es für uns nicht möglich früher zu kommen. Die Vision und die Geschichten unseres Lebens in Lošinj, haben sich mein ganzes Leben in meine Phantasie eingebrannt. Ich stellte mir vor, wie es gewesen wäre, in Lošinj aufzuwachsen und mein Leben in dem Land zu leben, das meinen Vater so leidenschaftlich begeistert hat.

Barbara Bandler Steinmetz in der Bibliothek vom Hotel Alhambra, Insel Losinj

Barbara Bandler Steinmetz in der Bibliothek vom Boutique Hotel Alhambra

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5 Comments
  1. Hi Liebe Frau Brandler,habe mit großem Interesse ihre
    Geschichte gelesen! Seit ca: 40 Jahren verbringen wir mein Mann und ich jedes Jahr einige Wochen in Kroatien!
    Erst seit ca: 10 Jahren besuchen wir die Wunderschönen vorgelagerten Inseln! Als ich das erste mal in Mali Losinj war
    und dann nach Velo Losinj spaziert bin immer am Meer entlang
    mit zwischendurch kurzen Schwimmzügen habe ich mich so verliebt das ich jedes Jahr mindestens 10 Tage dort verbringen muss ! Viele liebe grüße im Juni bin ich wieder da!
    Angelika Ferrier

  2. Freue mich auf Juni dann gibt es ein Wiedersehen mit meinem
    Lieblingsort Veli Losinj
    MfG Angelika Ferrier

  3. War letzte Woche nach 43 Jahren wieder in Veli Losinj. Das Örtchen ist nach wie vor so niedlich und charmant, nur gibt es jetzt einige Restaurants und Cafés mehr als 1974 (fast zuviele). Das Hotel Punta in dem ich 1974 gewohnt habe gibt es zwar in der alten Form nicht mehr, aber die Menschen sind immer noch sehr freundlich. Es war ein nostalgisches Wiedersehen und ich muss sicher wieder dorthin.

    • Sehr geehrte Frau Alexandra, danke für die freundlichen Worte. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch!
      Liebe Grüße,
      LHV Marketing Team

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